Arbeit verteilen!

18. November 2011  Archiv, Berichte

Jeder zehnte Deutsche fühlt sich nicht Arbeitausreichend beschäftigt.

Die Bundesregierung bucht als Erfolg, dass die Arbeitslosenzahlen von 3,244 Millionen im vergangenen Jahr, auf 2,737 Millionen im Oktober 2011 zurückgegangen sind. Unabhängig davon, dass diese Zahlen die wahre Arbeitslosigkeit von über 4 Millionen versteckt, wird noch verschwiegen, worauf es wirklich ankommt. Ob die Menschen nach ihrem eigenen Dafürhalten aus­reichend Arbeit finden, das mes­sen diese Zahlen nicht.

Sogar 7,3 Prozent der Vollzeitbeschäftigten wollen länger arbeiten

Hinter die Kulissen hat nun das Statistische Bundesamt geblickt. Das Ergebnis der aufschlussrei­chen Studie ist nicht berau­schend. 8,4 Millionen Menschen zwischen 15 und 78 Jahren haben demnach keine Arbeit oder wür­den gerne mehr arbeiten, wenn sie die Gelegenheit dazu erhiel­ten. Verursacher dieses hohen Anteil ist die offiziellen Arbeitslosenstatistik. Menschen die mehr als 15 Stunden pro Woche arbeiten, zählen als Beschäftigte. Auch wer sich in Weiterbildung oder Programmen zur beruflichen Wiedereingliederung befindet, wird nicht als ar­beitslos gezählt. OK-Karr-Reform-Arge-1

Gerne mehr ar­beiten würden na­türlich offiziell die Erwerbslosen, aber auch Studenten, Selbstständige, Hausfrauen, Schüler und Rent­ner, die nicht als arbeitslos gelten. 22 Prozent der Teilzeitbeschäftigten und 7,3 Prozent der Vollzeitbeschäftigten wünschten sich zusätzliche Ar­beitsstunden. Vor allem Frauen arbeiten häufig in Teilzeit. Sie wünschen sich, zwischen 22 und 29 Stunden ar­beiten zu können. Das verhindern oft fehlende Betreuungsmöglich­keiten für die Kinder oder der Ar­beitgeber. Dass selbst Vollzeitbe­schäftigte mehr Arbeit suchen, verwundert ebenfalls nicht, schließlich gilt bereits als vollzeitbeschäftigt, wer mehr als 32 Stun­den pro Woche arbeitet und viele zu Dumpinglöhnen arbeiten müssen

Die Arbeitgeber, die in den un­terschiedlichsten Branchen über Arbeits- und Fachkräfteknappheit klagen, stehen in der Verantwortung. Allerdings dürften viele Umschulungen notwendig sein, um das brachliegende Arbeitskräftepotenzial tatsächlich heben zu können.

Während die einen zu wenig Arbeit haben, klagen andere über zu vielKarr-Arbeit

Andererseits gibt es eine Reihe von Beschäftigten, die nach eige­nen Angaben zu viel arbeiten. Die letzte fundierte Erhebung dazu hat das Deutsche Institut für Wirt­schaftsforschung im Jahr 2009 auf der Basis von Daten für das Jahr 2007 gemacht. Demnach wünschen sich vor allem vollzeitbeschäftigte Männer kürzere Ar­beitszeiten. Statt durchschnittlich 43 Stunden pro Woche wollen sie nur 39 Stunden arbeiten. In einer älteren Studie von 2004 kam das DIW zu dem Schluss, dass insge­samt 16 Millionen Menschen ger­ne kürzer arbeiten würden.

Wirkliche Zufriedenheit am Ar­beitsmarkt gibt es also bei vielen Menschen nicht. Lässt sich das Problem lösen? „Ja, klar”, sagt Ar­beitsmarktforscher Alexander Herzog-Stein vom gewerkschafts­nahen Wirtschafts- und Sozial­wissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Er schlägt einen Kompromiss zwischen kur­zen und langen Arbeitszeiten vor: „Das Ideal liegt bei einer kürzeren Vollzeitarbeit für alle.” Dafür aber muss sich am Ar­beitsmarkt noch viel tun. Denn wenn ein Gleichgewicht bei der Arbeitszeit hergestellt werden soll, braucht es auch in jedem Be­ruf genügend Arbeitskräfte.